Handicap-Tiere

Auch Handicap-Tiere verdienen ein liebevolles Zuhause

Wie auch bei uns Menschen kommt es in der Tierwelt immer wieder vor, dass aus medizinischen Gründen Gliedmaßen amputiert werden müssen oder sich das Tier durch Lähmungen nur noch eingeschränkt selbstständig fortbewegen kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Tier weniger liebenswert ist. Handicap-Tiere haben es leider oftmals nicht leicht ein neues Zuhause zu finden. Denn zu oft wird weggesehen, wenn ein Tier anders ist als die anderen – aber genau das macht sie gerade so besonders. Egal ob taub, blind, gelähmt oder ein Beinchen weniger, auch Handicap-Tiere können so lebensfroh und aktiv sein wie ein körperlich gesundes Tier und verdienen ein glückliches und liebevolles Zuhause.

Wir möchten dazu ermutigen, Tieren mit besonderen Bedürfnissen eine Chance zu geben. Denn bereits ehrliches Interesse und der Wille reichen aus, um einem Tier, mit dem es das Leben bisher nicht so gut gemeint hat, ein schönes Zuhause zu schenken.

Gebt Handicap-Tieren eine Chance

Handicap-Tiere können bereits bei Geburt mit einer Behinderung auf die Welt kommen, oder die Behinderungen sind die Folgen von schweren Unfällen, Misshandlungen oder Krankheiten. Für viele mag es zunächst ein Schock sein, wenn sie ein Tier mit einem Bein weniger sehen. Das sollte jedoch keinesfalls abschrecken oder übermäßig Mitleid erregen. Denn die Erfahrung aus der Praxis, Umfragen und auch wissenschaftliche Studien zeigen, dass viele Hunde und Katzen relativ gut mit den Einschränkungen zurechtkommen und sich die Lebensqualität dadurch oftmals nicht verringert.
 

Welche Handicaps gibt es?

Handicaps sind vielseitig und in den meisten Fällen kommen Mensch und Tier auch gut damit zurecht. Die häufigsten Handicaps bei Hunden und Katzen sind beispielsweise:
•    Fehlende/amputiere Gliedmaßen
•    Lähmungen
•    Inkontinenz
•    Hör- oder Sehbeeinträchtigungen
•    Organmissbildungen
 

Handicap-Katzen

Viele Handicap-Katzen kommen meist mit drei Beinen problemlos zurecht und sind durch ihr Leichtgewicht in ihrer Beweglichkeit nicht allzu sehr eingeschränkt. Sogar das Springen können sie wieder erlernen. Auch wenn sie blind oder taub sind, können sie sich an ihre Situation schneller anpassen als wir Menschen. Denn umso mehr verfeinern sich die anderen funktionierenden Sinnesorgane und helfen dabei sich in der Umgebung besser orientieren zu können. Wenn blinde Katzen sich einmal gemerkt haben wo Alltagsgegenstände oder Möbel stehen, können sie sich meist ohne Probleme, sicher und frei bewegen.

Handicap-Hunde

Die meisten Hunde überraschen ebenfalls immer wieder, wie sie beispielsweise mit drei Beinen auch ohne Unterstützung durch die Gegend flitzen können und sich nichts anmerken lassen. Die Lebensfreude der Fellnasen ist unermüdlich. Zusätzlich gibt es für Handicap-Hunde, ob Groß oder Klein, individuell angepasste Hilfsmittel wie Rollstühle und Orthesen, die das Leben im Alltag und die Fortbewegung erleichtern. Auch Seh- oder Hörbeeinträchtigungen mindern kaum die Lebensqualität der Hunde. Denn mit genügend Training kann die Kommunikation entweder über intensive akustische Kommunikation oder im anderen Fall mit Körpersprache und Gesten erfolgen.

Die Haltung von Handicap-Tieren sowie die nötige Hilfe, die sie brauchen, ist oftmals gar nicht so umfangreich, wie mancher denken mag. Wie jedes andere Tier auch, brauchen sie das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Liebe. Mit Aufmerksamkeit und Geduld kann das Tier gelesen und Besonderheiten in der Körpersprache gelernt werden. Es verlangt ein kleines bisschen Mut, sich dem Leben mit einem Handicap-Tier zu stellen, doch es dauert nicht lange, bis Mensch und Tier ein eingespieltes Team sind. Und Schließlich sind es doch immer die kleinen Macken und Schwächen, in die wir uns verlieben. 
 

So kannst du helfen

Interessierst Du Dich für ein neues Haustier? Dann sollte Deine Suche immer zuerst im Tierheim beginnen, denn jedes Tierheimtier ist so einzigartig wie Du selbst. Wenn Du Handicap-Tieren helfen möchtest, dann beziehe sie bei Deinem Vermittlungsprozess mit ein, denn gerade sie warten oft ein Leben lang auf ein neues liebevolles Zuhause. Im Tierheim findest Du Tiere, die trotz ihrer körperlichen Einschränkung sehr viel Lebensfreude mitbringen und daher eine Chance verdienen, da sie auch viel Freude in Dein Leben bringen können.

Wie bei jedem Tier gilt es, sich vorher im Klaren zu sein, ob die Verantwortungspflichten für das Tier erfüllt werden können. Auf unseren Webseiten Bist du bereit für ein Haustier und Tiervermittlung findest du vorab alle wichtigen Aspekte, die du bei einer Tier Adoption beachten solltest. Zusätzlich sollte bei Handicap-Tieren genauer betrachtet werden, ob die speziellen Bedürfnisse und Hilfsmittel gestellt werden können:

  • Wohnsituation: Meist eignet sich eine ebenerdige Wohnung, wenn das Tier keine Treppen laufen kann. Ebenso benötigen Rolli-Hunde oder auch blinde Tiere, große Flächen für möglichst viel freie Bewegung ohne Sturz- und Verletzungsgefahr. Zudem sollte bei blinden Tieren die Wohnungseinrichtung nicht verändert werden, damit die Tiere sich in ihrem Zuhause gut zurechtfinden können. Katzen mit Handicap sollten in der Regel keinen unkontrollierten Freigang erhalten. Schön ist eine katzengerechte Wohnung mit einem gesicherten Balkon oder Garten.
  • Spaziergänge: Bei Gassi Runden sollte die Kondition des Tieres berücksichtigt werden, sowie das Vorhandensein fester und ebener Wege, die bspw. ein Rolli-Hund benötigt. Blinden Hunden kann durch das Führen an der Leine und durch das Gehen bekannter Routen Sicherheit gegeben werden.
  • Finanzen: Mögliche Zusatzkosten wie Medikamente, Physiotherapien, Orthesen oder Rollstühle, sollten nicht vergessen werden.
  • Zeit und Geduld: Besonders in der Eingewöhnungszeit im neuen Heim oder bei der Nutzung eines neuen Rollis oder einer neuen Orthese sind viel Zeit und Geduld gefragt. Zudem kann, je nach körperlicher Einschränkung, auch ein höherer Zeitaufwand bei der Pflege entstehen.
  • Ernährung: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung spielt bei allen Tieren eine wichtige Rolle. Allerdings sollte vor allem bei Rolli-Hunden und dreibeinigen Tieren Übergewicht vermieden werden, um die funktionierenden Gelenke nicht zu überlasten.
  • Interesse: Es ist nicht nötig, selbst ein Fachexperte gehandicapter Tiere zu sein. Allein das Interesse sich mit der Behinderung des Tieres auseinanderzusetzen und der Wille zu helfen, reichen aus. Dennoch ist in vielen Fällen auch die Hilfe von Tierärzten oder die Beratung durch eine*n Hundetrainer*in ratsam.