Handicap-Hunde

Dreibeiner

Wer sich für die Adoption eines Hundes aus dem Tierschutz entscheidet, trifft beim Tierheimbesuch auf die verschiedensten Rassen und Typen. Hunde denen ein Beinchen fehlt gibt es hier immer wieder und werden doch so oft übersehen. Dabei sind sie genauso lebensfroh und liebenswürdig wie jeder andere Hund. Ein dreibeiniger Hund ist zwar nicht so mobil und flink wie ein Hund mit vier Beinen, möchte aber genauso gerne aktiv am Alltag teilhaben. Er lernt relativ schnell mit seinem Handicap umzugehen, z.B. wie er sein Gleichgewicht ausbalanciert und auf dem Boden sein Gleichgewicht hält.

Dabei macht es natürlich einen Unterschied, ob ein Vorderbein oder ein Hinterbein fehlt. Denn das meiste Gewicht tragen die Vorderbeine, was bedeutet, dass bei einem fehlenden Vorderbein, deutlich mehr Gewicht auf das gesunde Bein verlagert wird. Die Hinterbeine der Hunde sind vor allem für die Schubkraft nach vorne zuständig, weshalb bei einem fehlenden Hinterbein, das gesunde Bein einen höheren Kraftaufwand benötigt. In beiden Fällen können Folgeschäden jedoch durch prophylaktische Maßnahmen relativ gut umgangen werden.

 

  • Passe Dich beim Gassi gehen, der Ausdauer und dem Lauf-Tempo Deines Hundes an.
  • Meide möglichst Treppen – eine ebenerdige Wohnung ist hier vorteilhaft.
  • Teppiche und Stufenmatten sorgen für eine bessere Polsterung und weniger Ausrutschgefahr.
  • In Absprache mit dem Tierarzt können gelenkschützende Präparate helfen.
  • Verwende anstatt einem Halsband lieber ein Brustgeschirr – es gibt sogar spezielles Brustgeschirr für Dreibeiner.
  • Achte auf eine ausgeglichene Ernährung um zusätzliches Gewicht auf den Rippen zu vermeiden.
  • Wenn Dein Dreibeiner Wasser mag, ist das Schwimmen eine tolle Alternative um Gelenke schonend in Bewegung zu halten.
  • Auch Physiotherapie kann eventuellen Folgeschäden vorbeugen.


Rolli-Hunde

Häufig kommt es vor, dass Hunde durch Amputationen, Lähmungen, Gelenk- oder Hüftproblemen oder auch Altersbedingt, auf Hilfen wie Orthesen oder Rollstühle angewiesen sind. Mittlerweile ist das auch kein Problem mehr, denn es kann für jeden Hund, ob Groß oder Klein, ob Jung oder Alt, einen für ihn angepassten Rolli hergestellt werden. Er erleichtert ihnen die Fortbewegung im Alltag und schont durch die Gewichtsverlagerung auf den Rolli, die körperlich gesunden Gelenke der Hunde. Nach einer Eingewöhnungszeit, fühlen sich die meisten Hunde schon sehr sicher auf den Rädern und können beim Spazierengehen und Spielen mit anderen, viel besser mithalten und einfach Hund sein.

Wie auch bei allen anderen Tieren, müssen sich Interessenten vor der Adoption eines Rolli-Hundes, der Verantwortung bewusst sein. Sie benötigen meist mehr Zeit, Pflege und Know-How. Das soll jedoch nicht abschrecken, denn der Alltag mit Rolli-Hund ist nicht so kompliziert wie es scheint. Bereits kleine Hilfestellungen, erleichtern das Leben für das Tier.   

 

  • Sorge in der Wohnung für ausreichend Platz, um genügend Bewegungsfreiraum mit Rolli zu ermöglichen.
  • Vorteilhaft sind zudem ebenerdige Wohnungen mit einem Garten, in dem der Rolli-Hund sich auch mal austoben kann.
  • Passe dich dem Lauf-Tempo des Hundes an.
  • Meide Routen mit vielen Hindernissen, unebenen Boden und Treppen.
  • Ausgelegte Teppiche auf dem Boden, polstern und helfen bei der Fortbewegung ohne Rolli.

Blinde Hunde

Hunde können von Geburt an blind sein, oder über die Zeit erst erblinden. Das stellt für sie jedoch kein allzu großes Problem dar, da sie sich schnell an ihre Umstände gewöhnen und anpassen. Ein blinder Hund orientiert sich vor allem verstärkt auf seinen Geruchs- und Gehörsinn, die ihm bei der Kommunikation und Zurechtfindung helfen. Dabei entdeckt ein erblindeter Hund die Welt auf einer anderen Art und Weise, nochmal neu.

Eine intensive akustische Kommunikation zwischen blindem Hund und Mensch ist hier besonders wichtig. Daher sollte daran gearbeitet werden, um den Hund möglichst viel Sicherheit in seinem Umfeld zu geben. Das Training ist jedoch kein Hexenwer.

 

  • Vermeide Stolpergefahren in der Wohnung sowie das Umstellen von Möbeln.
  • Sichere Treppen und Anstoßgefahren.
  • Trainiere deinen Hund auf akustische Signale um mit ihm zu kommunizieren und ihn vor möglichen Hindernissen zu warnen/schützen.
  • Mache dich bemerkbar, wenn Du dich dem Hund näherst und kündige akustisch Berührungen an, damit er sich nicht erschrickt.
  • Gehe anfangs Gassi-Routen, die Deinem Hund vertraut sind.

Taube Hunde

Wie auch bei blinden Hunden, können Hunde bereits bei Geburt taub sein oder erst über die Zeit ihren Gehörsinn verlieren. Jedoch ist auch dieses Handicap kein großes Problem für sie. Auch ohne Gehör, können sie sich in ihrer Umgebung gut zurechtfinden. Dabei merkt man ihnen ihr Handicap nicht einmal an und es kann an Silvester sogar von Vorteil sein.

Jedoch sollte auch hier nicht die Verantwortung für das Tier unterschätzt werden. Die Welt ist sehr stark von akustischen Umweltreizen geprägt, die ein tauber Hund nicht wahrnehmen kann. Daher ist es besonders wichtig, mit ihm über viel Blickkontakt und Körper- und Handzeichen zu kommunizieren. Auch hier muss ein Vertrauen zwischen Mensch und Tier aufgebaut werden, welches mit viel Geduld und Training gelingt.

 

  • Trainiere deinen Hund auf häufigen Blickkontakt und nutze deutlich voneinander abgrenzbare Körper- oder Handzeichen, um die Kommunikation zu vereinfachen.
  • Verwende beim Spazierengehen eine Schleppleine, um dem Hund einen möglichst freien, aber gefahrlosen Auslauf zu ermöglichen.
  • Kündige dich beim Annähern des Hundes von hinten oder von der Seite vorher an, beispielsweise durch die Vibration beim Aufstampfen auf den Fußboden oder mit einem sanften Pusten.

 

Grundsätzlich gilt, wer einen Hund mit Handicap adoptieren möchte, sollte sich der Verantwortung gegenüber der Tiere bewusst sein und sich ausreichend über sie und ihre Bedürfnisse informieren. Die Tierheimbetreuer vor Ort stehen euch bei Fragen natürlich zur Seite und klären euch über die Bedürfnisse der Hunde und den richtigen Umgang mit ihnen auf.

Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass auch Handicap-Hunde ganz normale Hunde sind, die sich wie alle anderen nach Aufmerksamkeit, Liebe und Akzeptanz sehnen. Sie brauchen kein Mitleid und sollten die Chance bekommen, ein normales Hundeleben zu führen. Unterstütze sie dabei, aber gib ihnen auch die Möglichkeit ihre Fähigkeiten eigenständig zu testen und zu verbessern.

Es verlangt ein kleines bisschen Mut, sich dem Leben mit einem Handicap-Tier zu stellen, doch es dauert nicht lange, bis Mensch und Tier ein eingespieltes Team sind. Und Schließlich sind es doch immer die kleinen Macken und Schwächen, in die wir uns verlieben.